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Ohne das Klappern der Dachrinne im Wind gäbe es für ihn keinen Grund zu bellen. So aber täuscht sich der Hund einen Betrieb vor, wie er seiner Sehnsucht nach Leben entspricht.
Sein Radius ist die Umrundung des Holzhauses, dazu ein wenig Spielraum für unerwartete Zwischenfälle. Als er in seinem dritten Winter imstande war, die Stäbe des alten Zwingers durch die Eisummantelung hindurch zu erschmecken, war ihm nach Ende des Frosts ganz plötzlich die große Freiheit einer Kette und damit die Eroberung eines eigenen Territoriums geschenkt worden. Seitdem nimmt er mit jedem Bellen die Partei des Wohltäters.
Er ahnt, daß die Weite seiner Umgebung beängstigend ist. Er ahnt, daß es die reine Angst ist, die dem Mann solche Weiße und blättrigen Schorf ins Gesicht treibt. Die ihn zuweilen fahrig zuschlagen läßt. Dann bellt er. Klärt die Ebene ringsum darüber auf, wie gut in jedem Fall geschützt der eigene Standort ist. Was er sieht, flieht ihm in den Hintergrund. Die Steppe ist von moorigen Adern gefurcht. Auf Grund betende Birken kämpfen gegen die Säure des Bodens. Hasen drehen sich in der Luft, wenn sie von einer Grasnarbe zur nächsten springen. Ganz weit draußen begrenzt ein dunkler, leicht erhöhter Strich sein Sichtfeld. Von dorther wird gedroht. Oft sitzt er regungslos auf den Hinterbeinen, fixiert über Stunden die Gefahrenlinie, bis sie sich so nah herangeschlichen hat, daß sie endlich mitten durch seinen Kopf verläuft. Im Einschlafen erschrickt er, wie sehr er versagt hat.

Vor wenigen Tagen noch hat der Mann in seiner Gegenwart gearbeitet. Der schmutzige Latz seiner Hose hing ihm schlapp über den Bund. Von einer kleinen Leiter reckte er sich zum Dach hoch, wo er ein Loch mit zwei angegrauten Brettern vernagelte. Ein halb verwester Spatz, den der Mann zuvor herausgeholt und über die Schulter nach hinten geworfen hatte, landete fast auf seiner Nase. Dann strich der Mann einen Lack auf die Fensterrahmen, dessen Dunst seinen Achselschweiß noch übertönte. Das Gesicht des Mannes war kaum zu sehen. Immer stand es in abgewandter Richtung und schwieg. Aber es waren schöne Tage gewesen.
Der Sommer verabschiedete sich. Mücken und Flöhe träger. Der Mann zog sich zurück. Mitten im Anstreichen, die Oberleiste des linken Fensters kaum fertig, stieg er von der Leiter, griff das Nötigste und verschwand damit im Haus. Jetzt regnet es. Die Regentropfen werden täglich fetter, als sei ihnen ein Anteil glasiger Molke beigefügt. Warm ist es, noch mollig grün, windlos. So klappert auch die Dachrinne selten. Will er eben darauf anschlagen, fühlt er in der sofort folgenden Stille, wie unsinnig es wäre. Er hat eine Mulde unter dem großen Holunderbusch am Schuppen zu seinem Ort gemacht. Dort liegt er den Regen aus, - selbst wenn er von Zeit zu Zeit das Haus umkreist, dauert das nicht lang genug, um die Unterwärme in seiner Kuhle ganz zu entlassen.
Allmählich trägt sich sein Fell wie eine nasse Hand, die mit ihrer wahllosen Schwere an wechselnden Stellen des Körpers drückt. Wirklichen Unterstand gäbe es nur, wenn er sich schmal unter das Vordach des Eingangs drücken würde. Er schläft also viel, schnappt im Halbtraum nach der Nässe auf seinen Pfoten.

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