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Gereons Hände, manchmal seine Zunge, öfter seine Nase arbeiten tags in einer bedeutenden Wein- und Spirituosenhandlung. Anfangs, als eine notgeborene Entscheidung ihn als frei schreibenden Mitarbeiter der örtlichen Zeitung abgemeldet und als Genußverkäufer angemeldet hatte, war Gereon, wie er sich einfach gewöhnt fühlte, in seiner Gänze im Laden erschienen. Er hatte die Whiskyflaschen höflich mit Hausnamen angeredet, Rotweinpfützen zu gedachten Kinderreimen im bauchigen Glas geschwenkt, er hatte Port, der älter war als er selbst, gern leise und von der Seite her zugeflüstert, und wirklich antiken Cognac brachte er nur Stille entgegen, es sei denn, die Flüssigkeit richtete ihrerseits das Wort an ihn: dann antwortete er mit leicht belegter Stimme klar und kurz gefaßt, sein Vorleben (Danke der Nachfrage) faßte er angesichts des Standesunterschieds in drei genügend belanglosen Sätze. Nach erstaunlich rascher Zeit schon verkehrte Gereon fließend mit den gläsernen Damen und Herren, die er umgab. Ein Aprikosenlikör war bald darunter, den er – nach Geschäftsschluß, versteht sich – duzen durfte und ein Weißwein aus Kapstadt, eben erst selbst neu zugezogen, lud ihn zu sich nach Hause ein. Doch so viel Glück konnte nicht andauern und hätte Gereon am Ende wohl nur verwirrt. Es fing damit an, daß ein Champagner von niederem Adel zunächst im Zwiegespräch, später auch im Beisein von Kunden vorgab, ihm sei Gereons Name entfallen. Einen Monat weiter (August, Hochsommer, Flaute) stürzte sich eine bejahrte Calvadosfamilie ohne jede Vorankündigung die Kellertreppe hinunter. Schock, Verdächtigungen, Erregung, Fraktionsbildung. Gereon versuchte nach allen Seiten zu beschwichtigen, skizzierte in den privaten Abendstunden Strategien des guten Willens und montierte seine Gedanken zu schweren, flugunfähigen Vögeln. Inzwischen trug er im täglichen Umgang weiße Baumwollhandschuhe, sprach vielfach in genau vorgefertigten Wendungen, so daß es kurz vor Weihnachten, mitten in der Verbissenheit der Hochsaison, zu dem Ereignis kam, das Gereons Leben veränderte. Eine Restflasche Angebotssherry lüftete ihre Anonymität mit der Behauptung, Gereon habe sie unsittlich berührt. Gereon erwiderte darauf nicht. Seine Verteidigung bestand allein in seiner Hingabe an die aus der Luft dargereichte Ansicht, als persönliches Ganzes diesem unberechenbaren und niederträchtigen Chaos nicht länger zur Verfügung stehen zu sollen. Von einem Tag auf den andern, mit ihm selbst ganz unwahrscheinlicher Geschwindigkeit, verharrte er in seiner Wohnung oder an einem weiteren Ort seiner Wahl und schickte lediglich die Körperteile ins Geschäft, die unmittelbar zur Ausführung der vorgegebenen Verrichtungen gebraucht wurden. Was ihn dabei bereits nach wenigen Tagen am meisten erstaunte, war die unüberfühlbare Tatsache, daß sich das allgemeine Betriebsbefinden deutlich zu entspannen begann. Von einer Kurzreise (Meran, wohl Pension Alpenrausch?) zurück betrat er Mitte Mai testweise den Laden, ohne von einem einzigen der vielen Beteiligten erkannt zu werden. Da Gereon noch heute regelmäßig am Monatsende eine mittelmäßige Überweisung auf sein Konto vorfindet, hat er Veränderungen dieses Status‘ aus seinem Programm nehmen lassen.
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